Der aktuelle Stadtschreiber

Die Stadtschreiberin 2023/2024 von Bergen ist Nino Haratischwili

Als 51. Amtsinhaber des Stadtschreibers von Bergen-Enkheim tritt Dinçer Güçyeter am 30. August die Nachfolge von Nino Haratischwili an und wird für ein Jahr (2024/2025) im Stadtschreiberhaus in Bergen wohnen und arbeiten. Zusätzlich zum Wohnrecht erhält er ein Preisgeld von 20.000 Euro. Der Literaturpreis wird am 30. August feierlich verliehen.


Nino Haratischwili ist die aktuelle Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim (sie folgt auf Marion Poschmann). Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und bietet die Möglichkeit, ein Jahr lang in Bergen-Enkheim leben und schreiben zu können.

In der Begründung der Jury heißt es: "Nino Haratischwili ist eine Erzählerin von Weltformat. Mit viel Hingabe nimmt sie sich Zeit für ihre Geschichten, zeichnet bleibende Bilder und starke Figuren, die die Leser*innen in ihren Bann ziehen. Ihre Prosa und Dramatik ist aus der europäischen Literaturgeschichte nicht mehr wegzudenken: Nino Haratischwili ist eine DER weiblichen Stimmen, die sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt. Auf den großen Theaterbühnen feiert Nino Haratischwili als Dramatikerin und Regisseurin große Erfolge. In ihren Romanen Das achte Leben (Für Brilka) und Das mangelnde Licht erzählt sie sehr eindringlich von der Geschichte der Post-Sowjetunion am Beispiel Georgiens. Damit macht sie den langen Weg aus der Abhängigkeit der Sowjetstaaten zu Russland sichtbar und die gegenwärtige politische Situation nachvollziehbar. Haratischwili verbindet das Weltgeschehen mit Einzelschicksalen ihrer Figuren und lässt so die Vergangenheit Georgiens lebendig werden, ohne den Bezug zur Gegenwart zu verlieren. Ihre Literatur ist so erschreckend aktuell wie die Dramen der alten Griechen. Es geht um Kriegsgeschehen, schmerzhafte Erfahrungen, Gewissensprüfungen, Schuld und Tragik und das große Leid, das aus Krieg entsteht und über Generationen weitergegeben wird. Dabei verlieren die Protagonist*innen nie aus den Augen, was Hoffnung spendet: Freundschaft, Liebe, Familie und Zusammenhalt unter Gleichgesinnten.“ 

Nino Haratischwili, geboren 1983 in Tbilissi/Georgien, ist eine preisgekrönte Romanautorin, Theaterautorin und Regisseurin. Ihr Familienepos Das achte Leben (Für Brilka), in 25 Sprachen übersetzt, wurde ein weltweiter Bestseller, eine internationale Verfilmung ist in Vorbereitung. In ihrem aktuellen Roman »Das mangelnde Licht« erzählt Nino Haratischwili die dramatische Geschichte einer bedingungslosen Frauenfreundschaft in der Zeit nach der Unabhängigkeitserklärung Georgiens, die von Straßenschlachten, Bürgerkriegen und Heroinsucht geprägt war. Nino Haratischwili lebt heute in Berlin.

Der Preis „Stadtschreiber von Bergen-Enkheim“ wird seit 1974 verliehen. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Wolfgang Koeppen, Peter Härtling, Peter Bichsel, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Herta Müller, Wilhelm Genazino, Peter Kurzeck, Peter Weber, Katharina Hacker, Ulrich Peltzer, Marcel Beyer, Thomas Melle und Anja Kampmann.

Die Jury besteht aus vier Fachjuroren (darunter der/die letzte Stadtschreiber oder Stadtschreiberin) vier Jurorinnen und Juroren aus der Bergen-Enkheimer Bürgerschaft, und der für Bergen-Enkheim zuständigen Ortsvorsteherin.

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