16.12.2016 - Stadthistorisches Forschungsprojekt ausgezeichnet

 

Institut für Stadtgeschichte

PRESSEINFORMATION
16.12.2016

Stadthistorisches Forschungsprojekt ausgezeichnet
Verleihung des Johann-Philipp-von-Bethmann-Studienpreises 2016 für eine Arbeit zu 
Organisation, Selbstverständnis und Repräsentation der Frankfurter jüdischen Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert

Den diesjährigen Johann-Philipp-von-Bethmann-Studienpreis erkannte die Frankfurter Historische Kommission der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Rahel Blum für ihr Dissertationsvorhaben „An der Schwelle zur Moderne: Organisation, Selbstverständnis und Repräsentation der Frankfurter jüdischen Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert“ zu. Dr. Ina Hartwig, als Kulturdezernentin Vertreterin des Magistrats in der Kommission, überreichte den 1984 gestifteten und mit 5.000 Euro dotierten Preis zur Erforschung der Frankfurter Stadtgeschichte bei einer kleinen Feierstunde am Freitag, 16. Dezember 2016, im Institut für Stadtgeschichte. Die Gattin des Stifters, Bettina Freifrau von Bethmann, die den Preis seit dessen Tod finanziert, gehörte zu den Gästen der 29. Preisverleihung.

„Mit ihrer historischen Arbeit lenkt Frau Blum unseren Blick von der Vergangenheit auch in Gegenwart und Zukunft, denn sie erinnert daran, dass ein Ausgleich unterschiedlicher Interessen aller Stadtbewohner, der in Frankfurt Geborenen und der „Eingeplackten“, immer wieder gelungen ist. Daran können wir uns orientieren, wenn es darum geht, Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran oder Eritrea in unsere Gemeinschaft zu integrieren“, bemerkte Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig bei der Preisverleihung, die sie erstmals persönlich vornahm.

Die Dissertation von Rahel Blum wird eine Lücke in der Frankfurt Stadtgeschichtsschreibung schließen, war sich die diesjährige Jury der Historischen Kommission, der Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig, Prof. Dr. Marie-Luise Recker, Stadtrat Dr. Bernd Heidenreich, Freifrau Bettina von Bethmann und Dr. Evelyn Brockhoff angehörten, sicher. Die von Prof. Dr. Rebekka Voß vom Seminar für Judaistik der Goethe-Universität Frankfurt seit 2014 betreute Arbeit soll Ende 2017 vorliegen und die Kenntnisse über die Binnenstruktur der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main erheblich erweitern.

Rahel Blum studierte in Tübingen und Jerusalem Judaistik, evangelische Theologie und Kunstgeschichte. Derzeit ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Judaistik der Goethe-Universität beschäftigt. In ihrer Untersuchung zieht sie erstmals in größerem Umfang innerjüdische Quellen in Jiddisch und Hebräisch heran. Sie untersucht die jüdische Selbstorganisation innerhalb der Reichsstadt Frankfurt, die gemeindeinternen Konflikte, das Auftreten der Juden gegenüber dem Rat der Stadt und dem Kaiser als Stadtherrn. Dabei wird sie auch zeigen, wie sich am Übergang zur Moderne ein jüdisches Selbstverständnis mit spezifischer lokaler Ausprägung herausbildete. Die schon weit fortgeschrittene Arbeit zeigt, dass sich die Organisation der jüdischen Gemeinde an den Strukturen städtischer Ämter und der kommunalen Verwaltung orientierte und so in Verbindung mit örtlichen Feiertagen und liturgischen Besonderheiten ein eigenes Frankfurter Profil entwickelte.

„Die Vergabe an Frau Blum ist die erste nach der Neuausrichtung des Preises, dessen Einschränkung auf ‚noch nicht abgeschlossene Studienarbeiten‘ aufgegeben wurde“, sagte die Geschäftsführerin der Frankfurter Historischen Kommission, Dr. Evelyn Brockhoff. In ihrer Mitgliederversammlung kam die Frankfurter Historische Kommission am 20. Mai 2016 überein, den Johann-Philipp-von-Bethmann-Studienpreis wieder in seiner ursprünglichen Fassung vom 10. Dezember 1984 auszuschreiben. Künftig sollen wieder „junge Wissenschaftler gefördert werden, die sich mit einer umfangreichen, längerfristigen Studienarbeit ausweisen, die geeignet ist, die wissenschaftliche Basis zur Erforschung der Frankfurter Stadtgeschichte zu erweitern“. Die Änderung, die den Preis zukunftsfähig halten soll, war notwendig geworden, weil es in den vergangenen Jahren zu wenige qualifizierte Bewerbungen gab, wie Brockhoff resümierte.

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