Bis 15.5.: Kinderemigration aus Frankfurt

Bis 15 Mai 2022
Kinderemigration aus Frankfurt
Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek

Die Trennung werde nur von kurzer Zeit sein, es werde alles gut – mit dieser Hoffnung schickten Eltern ihre Kinder auf die sogenannten Kindertransporte. Etwa 20.000 Kinder und Jugendliche entkamen so zwischen November 1938 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 der nationalsozialistischen Diktatur. Unter ihnen waren mindestens 600 Kinder aus Frankfurt. Die Trennung war jedoch nicht von kurzer Zeit. Und es wurde auch nicht alles wieder gut. Für die Kinder bedeutete die Flucht die Rettung vor der Verfolgung; zugleich aber auch eine unverstandene Trennung von der Familie, Traumatisierungen und Schuldgefühle. In den Aufnahmeländern standen die Kinder häufig unter einem enormen Anpassungsdruck, teilweise lebten sie auch unter nicht kindgerechten Bedingungen. In ihrer Heimat hinterließen sie eine Leerstelle: in den Familien, den Schulklassen, im öffentlichen Leben. Die meisten Kinder sahen ihre Eltern, Geschwister und Verwandten nie wieder. Die Erfahrungen aus der Kindheit waren lebensprägend, auch für die späteren eigenen Familien.

Die Ausstellung „Kinderemigration aus Frankfurt“ zeigt, dass jede Geschichte der Kinderemigration eine individuelle und einzigartige Geschichte ist. Sie widmet sich sechs Kindern, deren Biografien unterschiedlicher nicht sein könnten: Lili Fürst, Renata Harris, Elisabeth Reinhuber-Adorno, Josef Karniel, Dr. Ruth K. Westheimer und Lee Edwards. Zu den Exponaten der Ausstellung zählen Briefe, die oft die letzten Mitteilungen der Eltern waren, und Tagebücher als häufig einziger Ort für unzensierte Niederschriften. In einer Sprache - Deutsch - geschrieben, die später den eigenen Kindern und den Partner*innen meist nicht zugänglich war, wurden die schriftlichen Zeugnisse über Jahrzehnte gehütet, ihr Inhalt aber selten mit anderen geteilt. Allzu oft war die Beschäftigung mit diesen Objekten zu schmerzhaft. Auch letzte Erinnerungsstücke der Kinder an ihre Eltern beziehungsweise ihre Kindheit werden in der Ausstellung gezeigt. Die Biografien der sechs „Kinder“ werden zudem über Zeitzeug*inneninterviews und über einen künstlerischen Zugriff erzählt: In Graphic Novels, gezeichnet von sechs verschiedenen Künstler*innen, wurden die Biografien zeichnerisch umgesetzt. Die Comics orientieren sich dabei am tatsächlich Geschehenen, finden aber zugleich ihre eigenen, künstlerischen, auch imaginativen Zugänge. Den Rahmen der Ausstellung bildet somit die Frage danach, wie wir die Kinderemigration heute erinnern können. Zugleich richtet sie den Blick auf die lokalen Gegebenheiten in Frankfurt, auf die Situation in den Aufnahmeländern sowie auf die bürokratischen Aspekte und die Helfer*innen bei der Auswanderung.

Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9.00-21.30 Uhr / Sa 10.00-17.30 Uhr / So und Feiertage geschlossen
Eintritt frei (Buchung)
 

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Deutsche Nationalbibliothek
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