Frankfurter Opern- und Museumsorchester

 

Selbst eingefleischte Frankfurter stolpern darüber und können sich auf den Titel des Orchesters der Oper ihrer Stadt keinen rechten Reim machen. Heißt das Orchester der Hamburgischen Staatsoper vornehm (aber unverbindlich) "Philharmonisches Staatsorchester", jenes der Weißwurst-Metropolenoper streng "Bayerisches Staatsorchester", so fällt für manchen der Name in Frankfurt doch ein wenig aus dem Rahmen.

Frankfurt hat ein Museumsufer, in dessen unmittelbarer Nähe sogar die Oper liegt, doch die edle Flaniermeile am Main hat den Namen nicht verursacht. Das Frankfurter Museumsorchester, das Orchester der Stadt Frankfurt am Main, bespielt auch die Konzerte der Frankfurter Museums-Gesellschaft, einem der traditionsreichsten kulturellen Veranstalter und in dieser Verbindung liegen auch die Wurzeln des auf den ersten Blick scheinbar etwas sonderbaren Namens.

Das "Museum", heute die Frankfurter Museums-Gesellschaft, wurde 1808 von kunstsinnigen Bürgern der Stadt gegründet mit dem Ziel "durch Verbindung der ästhetischen Cultur mit der moralischen die höchste Cultur der Menschheit nach Kräften zu fördern". Auch in jener Zeit der napoleonischen Wirren war das "Museum" kein solches in unserem heutigen Sinne, sondern vielmehr eine Vereinigung mit dem Ziel, die Literatur, die bildende Kunst, die Tonkunst zu pflegen - und zwar aktiv! Kunst und Wissenschaft sollten zusammenkommen - ein wahrhaft moderner interdisziplinärer Ansatz. Wer in den drei "Classen" des "Museums" mangels Talent nicht unterkam, dem blieb nur die vierte "Abtheilung": die der Kunstfreunde. In dieser konnte man nun, ohne selbst aktiv in Erscheinung zu treten, Konzerten professioneller Musiker lauschen, die für bestimmte Gelegenheiten als Orchester engagiert wurden. Meist waren dies Musiker des Theaters, immerhin eines der ersten bürgerlichen Opernhäuser überhaupt. Ein halbes Jahrhundert später, mit der starken Expansion des Konzertbetriebes, wandelte sich das "Museum" zur Museums-Gesellschaft als reiner Konzertveranstalter. Im neuerbauten Konzertsaal, dem "Saalbau", traten die bedeutendsten Solisten und Dirigenten der Zeit auf, Camille Saint-Saëns, Clara Schumann, Hans von Bülow und Johannes Brahms, um nur einige wenige zu nennen.

Das Orchester aber, das die Konzerte dieses Veranstalters bespielte, war und ist das Orchester der Oper, dessen amtlicher Titel nach wie vor "Städtisches Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester" lautet, kurz und gut das "Frankfurter Museumsorchester". Und - museumsreif wird es hoffentlich noch lange nicht sein.

Oper Frankfurt
Untermainanlage 11
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