Sonderausstellung im DFF: "Maximilian Schell"

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Mit dem einfachen, aber ausreichenden Namen Maximilian Schell ist die neue Sonderausstellung des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum (bis 19. April 2020) über den international erfolgreichen deutschsprachigen Schauspieler betitelt, die inhaltlich wie ästhetisch zu den gelungensten Ausstellungen des Filmmuseums zählt.

Die Ausstellung präsentiert Schells künstlerischen Nachlass. Nach seinem Tod 2014 ging dieser an das DFF, das auch schon den Nachlass von Schells bereits 2005 gestorbener Schwester Maria bewahrt. Die Ausstellung stellt Maximilian Schell als Universalkünstler vor, der sich auf vielen Feldern der Kunst erprobte, neben den genannten auch als Pianist, Kunstsammler, Produzent, Maler und Zeichner, als Opernregisseur und Autor.

Schell gehört zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die in Hollywood reüssierten. Bereits früh in seiner Karriere gewann Maximilian Schell für JUDGMENT AT NUREMBERG (US 1961, R: Stanley Kramer) den Oscar® als bester Hauptdarsteller. In dem starbesetzten Werk spielte er neben berühmten Kollegen wie Spencer Tracy, Burt Lancaster, Judy Garland und Marlene Dietrich.

Maximilian Schell war ein Multitalent, ein erfolgreicher Filmschauspieler, ein bewunderter Theater-Darsteller, der aber auch als Spielfilmregisseur mit FIRST LOVE (CH/BRD 1970) oder DER FUSSGÄNGER (BRD/CH 1973) vielbeachtete Filme schuf. Doch erst mit MARLENE (BRD/FR/CS 1984) machte er sich auch als Regisseur weltweit einen Namen. Sein Porträt über Marlene Dietrich erhielt eine Oscar-Nominierung als bester Dokumentarfilm. Das Besondere und für Schell besonders Aufreibende an diesem Projekt: Schell durfte weder die Dietrich selbst filmen, noch ihre Wohnung in Paris, in der er sechs Tage lang Gespräche mit ihr führte, die er am Ende aber vorzeitig abbrach. Dass es Schell mit seinem Team gelingt, aus dem dürftigen Tonmaterial, das wenige substanzielle Äußerungen Marlene Dietrichs hervorbringt, einen herausragenden Dokumentarfilm zu schneiden, der inzwischen als Klassiker gilt, ist eine besondere Leistung, die in der Ausstellung mit einem eigenen MARLENE-Raum in den Blick gerückt wird. In einer räumlichen Installation ist die bizarre Interview-Situation in der Pariser Wohnung angedeutet, in der Schell und Marlene Dietrich im Wohnzimmer saßen, während Schells Team lediglich in Hörweite verweilen durfte.

Mehr als 20 Monitore geben in der Ausstellung Einblick in die vielen Facetten von Maximilian Schells Werk. Eine Installation im Foyer lädt zu einer ersten visuellen Erkundungsreise ein. Aus hunderten Fotos im Nachlass haben die Kuratoren Hans-Peter Reichmann und Isabelle Bastian eine vielfältige Auswahl zusammengestellt, die Schells künstlerisches Leben illustriert. Schell als junger Schauspieler, als Liebender und Grübler, als Hamlet und Jedermann, als Wehrmachtssoldat und als Holocaustopfer, als Talkshowgast und Fernsehstar, als Regisseur und Gentleman. Interviews mit sowie Dokumentaraufnahmen von Schell sind auf weiteren Monitoren im Ausstellungsraum zu sehen und zu hören.

In dutzenden Filmen hat Maximilian Schell mitgewirkt, dutzende große Theaterrollen gespielt, dutzende Auszeichnungen erhalten – vom Oscar® über den Golden Globe bis zum Deutschen Filmpreis. Mit zahlreichen Dokumenten, Fotos, Drehbüchern, Briefen und Objekten gibt die Ausstellung eine Übersicht über das breit aufgefächerte Werk des in Wien geborenen Sohns eines Schweizer Schriftstellers und einer Wiener Schauspielerin, der sich, 1938 mit der Familie vor den Nazis nach Zürich geflohen, später immer als Schweizer verstand und auch deren Fußballnationalmannschaft die Daumen drückte. Eine 20-minütige Kompilation auf großer Leinwand präsentiert das filmische Schaffen Maximilian Schells, das sich über 60 Jahre, von KINDER, MÜTTER UND EIN GENERAL (BRD 1955, R: László Benedek) bis LES BRIGANDS (Die Räuber LU/DE/BE 2015, R: Pol Cruchten) erstreckt.

Wie auch in Schells Leben ist der Dreh- und Angelpunkt in der zentralen Blickachse der Frankfurter Ausstellung die Alm im kärntnerischen Preitenegg – der Fluchtpunkt der Familie Schell seit dem frühen 20. Jahrhundert. Hier war Schell verankert, hier erdete sich der US-Schauspieler mit Villa in Beverly Hills jedes Jahr mehrere Monate, wenn er in der alten Jagdhütte seine künstlerischen Projekte plante und vorantrieb. Hier lebte im Nachbarhaus auch seine Schwester Maria bis zu ihrem Tod 2005. Deren fortschreitende Demenzerkrankung dokumentierte er im vielbeachteten Film MEINE SCHWESTER MARIA (2002) auf einfühlsame und respektvolle Weise.

Begleitband mit Texten von 17 Autor/innen zu Maximilian Schell
Der mehr als 300 Seiten starke Begleitband zur Ausstellung untersucht die Karriere Maximilian Schells von allen Seiten: 17 Autor/innen beleuchten Schells große Schauspielkunst, sein Wirken in Hollywood, geben Einblicke hinter die Kulissen, in seine Art zu arbeiten, befassen sich mit dem kundigen Kunstsammler Schell, dem Regisseur Schell, mit seiner großen Liebe für Shakespeare, seinen Auftritten als Gaststar in Hollywood-Blockbustern der 90er Jahre, mit seinem Dokumentarfilm MEINE SCHWESTER MARIA und natürlich mit dem überaus erfolgreichen Krisenprojekt MARLENE.

DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V.
Schaumainkai (Museumsufer) 41
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