Die Gesänge der Sarah Maldoror Ein Kino der Nähe, der kollektiven Verantwortung und des Teilens

 

 10. Juni bis 12. Juni im Kino des DFF, Zu Gast Filmkuratorin und Tochter Annouchka de Andrade

15. Juli im CinéMayence in Mainz

25. Juli im Open Air Kino in der Platensiedlung

Juli 2022 im ada_hinterhof_kino


Sarah Maldoror (1929–2020) ist eine der bedeutendsten Pionierinnen des afrikanischen und afrodiasporischen Kinos und doch dem hiesigen Publikum relativ unbekannt geblieben.

Im südfranzösischen Gers als Tochter eines Vaters aus Guadeloupe und einer französischen Mutter geborenen, legte sie als junge Frau ihren Familiennamen Ducados ab und gab sich, inspiriert von Lautréamonts Chants de Maldoror (Die Gesänge des Maldoror), einen neuen, „eigenen“ Namen. Als junge Frau war sie im Paris der 50er-Jahre mit Toto Bissainthe, Timité Bassori u.a. Mitbegründerin der Schwarzen Theatergruppe Les Griots. Sie ging dann zum Filmstudium an die VGIK in Moskau und engagierte sich zunehmend in Befreiungsbewegungen, insbesondere gegen die portugiesische Kolonialmacht in Angola – ihr Ehemann war der angolanische Politiker und Autor Mário Pinto de Andrade –, Kap Verde und Guinea-Bissau.

Gleich ihre ersten Filme MONANGAMBÉE und SAMBIZANGA wurden international gezeigt – ihr erster Spielfilm DES FUSILS POUR BANTA (Gewehre für Banta) gilt bis heute als verschollen.

Maldorors filmisches Werk, das 40 Kurz- und Langfilme für Kino und TV umfasst, entzieht sich klaren Grenzziehungen und Geographien, es ist transnational, kämpferisch, thematisch und formal vielfältig und gleichzeitig doch von großer Kohärenz. Die afrikanischen Befreiungsbewegungen, die Trikont-Bewegung, die Rolle der Frau, die Geschichte der Sklaverei und des Kolonialismus, Künstler*innen insbesondere des Surrealismus und der Négritude – hier ganz zentral Aimé Césaire und Léon G. Damas – sind zentrale Topoi von Maldorors Filmpraxis. Eine revolutionär-dekoloniale Praxis der Nähe, der kollektiven Verantwortung und des Teilens, die eine Gemeinschaft adressiert, „ein ‚uns‘, das noch formuliert werden muss.“ (Maya Mihindou).

 

Die Filmkuratorin Annouchka de Andrade arbeitet am Erhalt und der Verbreitung des Werks ihrer Mutter Sarah Maldoror. Sie ist bei allen Vorführungen im Kino des DFF zu Gast.

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