"Die Natur der Natur: Fukushima Project" vom 14. Mai bis 18. September 2022 im Museum Angewandte Kunst

 

Auf den ersten Blick wirken die Fotografien von Norbert Schoerner wie Studien von einzelnen Kiefern, die sich vor einer kargen, bergigen Landschaft aus wogenden Gipfeln und dunklen Himmelsformationen erheben. Bei näherer Betrachtung fällt allerdings auf, dass etwas ungewöhnlich ist. Der Stamm der Kiefer ist nicht in der Erde verwurzelt, sondern mündet in ein Gefäß, das an die typischen Keramikschalen erinnert, in denen Bonsais gezogen werden.

Die Bonsais auf Norbert Schoerners Fotografien sind aus der Aufzucht der Familie Abe, die in der Bergregion Azuma in der Nähe von Fukushima lebt. Für seine Fotografien stieg Schoerner auf den Berg und nahm eine Reihe von Landschaftsbildern auf. Davon ließ er Abzüge so großformatig anfertigen, dass wenn die Bonsais der Familie Abe davor aufgestellt und im richtigen Licht fotografiert wurden, die Miniaturkiefern aussahen wie ausgewachsene Bäume. Die Tatsache, dass er die Bonsais in konstruierten dioramahaften Umgebungen fotografiert, lässt vermuten, der Künstler würde die Bonsai an ihren Ursprungsort zurückbringen, ihnen ermöglichen, ihr volles Wachstumspotenzial zu erreichen. Die Auswirkungen des nuklearen Desasters des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi am 11. März 2011 auf die Ökologie der Region machen es unmöglich, diese Werke unabhängig von dieser Katastrophe zu betrachten.

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