I.G. Farben / Poelzig-Bau

 

Die I.G. Farben (Interessengemeinschaft Farbenindustrie A.G.), ein 1925/1926 in Frankfurt am Main gegründeter Zusammenschluß der deutschen Chemieunternehmen, suchte Ende der 1920er Jahre für ihre Zentralverwaltung ein repräsentatives Bürogebäude. So erwarb die I.G. Farben das Grüneburggelände im Frankfurter Stadtteil Westend, das seit 1837 der Familie Rothschild gehört und seit 1864 die "Städtische Irrenanstalt" (auch bekannt als Affenfelsen oder Affenstein) beherbergt hatte. Hans Poelzig gewann den ausgeschriebenen Wettbewerb und entwarf das bis in die 1950er Jahre hinein modernste und größte Bürogebäude Europas.

Nach der Machtergreifung der NSDAP entwickelte sich die IG Farben zum nationalsozialistischen Staats- und Kriegskonzern. In den Kriegsjahren produzierte die IG Farben für die Kriegswirtschaft und profitierte durch die Arisierung und Eingliederung von Unternehmen. Ab 1942 betrieb der Konzern nahe dem polnischen Städtchen Monowitz eine Fabrik zur Produktion von Buna, einem synthetischen Kautschuk, der die deutsche Rüstungsindustrie von importiertem Naturkautschuk unabhängig machen sollte. Um nicht auf Häftlinge des KZ Auschwitz angewiesen zu sein, wurde an die Fabrik ein eigenes Arbeitslager angeschlossenen, das KZ Buna/Monowitz, aus dem der Konzern Arbeiter rekrutierte und sie zur Zwangsarbeit nötigte.

Zudem war die IG Farben mit einem Anteil von 42.5% Gesellschafter der Degesch (Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), die das Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B herstellte. Im Herbst 1941 wurde in Auschwitz erstmals das aus Blausäure hergestellte Zyklon B zur betriebsmäßigen Tötung von Menschen getestet. In den folgenden Jahren wurde es in den Gaskammern von Auschwitz, Majdanek, Sachsenhausen, Ravensbrück, Stutthof, Mauthausen und Neuengamme zur Ermordung hunderttausender Menschen eingesetzt.

Nach Kriegsende wurde der Poelzig-Bau zum amerikanischen Hauptquartier unter General Dwight D. Eisenhower und zum Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse und blieb in amerikanischem Besitz bis 1995. Danach fiel das Gelände in den Besitz des Landes Hessen zurück. Dort wurde der neue Campus der Universität eingerichtet. Um das brisante Erbe dieses Ortes präsent zu halten, wurde das Norbert Wollheim Memorial auf dem Parkgelände errichtet, um an die Zwangsarbeiter aus dem KZ Buna/Monowitz zu erinnern.
 

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Campus Westend - IG Farben-Haus (Poelzig-Bau)
Norbert-Wollheim-Platz 1
D 60323 Frankfurt am Main
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